Interview mit David Parkmann

der neue Stellvertretender Delegierter der Delegation der Deutschen Wirtschaft in Bosnien und Herzegowina

Vertretung der deutschen Wirtschaft in BiH ist ein offizieller Vertreter der deutschen Wirtschaft und die erste Kontaktadresse für deutsche Unternehmen, die sich für Bh. Markt interessieren. Wie viele deutsche Unternehmen „nutzen“ die AHK und was ist ihr Interesse, in Bosnien-Herzegowina zu investieren? Wie viele deutsche Investoren investieren in Bosnien-Herzegowina? Was sind die interessantesten Bereiche für deutsche Investoren?

Die deutsche Wirtschaft ist einer der größten Investoren in Bosnien und Herzegowina und der wichtigste Handelspartner. Das bilaterale Handelsvolumen steigt stetig und lag 2017 bei ca. 1,9 Mrd. €. Deutsche Direktinvestitionen in Bosnien und Herzegowina lagen bei ca. 27,4 Mio. €, damit belegt Deutschland den 6. Platz. Unseren Informationen zufolge sind ca. 250 Unternehmen mit deutscher Kapitalbeteiligung hier aktiv. Wirtschaftliche Zugpferde sind weiterhin Textilien, Bekleidung und Schuhe, Möbel, Maschinen und Metallwaren. Der Wirtschaftsstandort Bosnien und Herzegowina kann zudem mit einigen klaren Stärken punkten. Zunächst allein die räumliche Nähe zum EU-Markt. Wir beobachten den Trend deutscher Unternehmen die Lieferkette, aufgrund von schwindenden Kostenvorteilen und hohem Managementaufwand, aus den asiatischen Ländern zurück nach Europa zu holen. Gern gesehen wird, dass die Währung gegenüber dem Euro stabil und die Lohnkosten vergleichsweise niedrig sind. Unternehmer zeigen sich sehr zufrieden mit der Produktivität, Leistungsbereitschaft und Knowhow der Mitarbeiter. Das Land profitiert zudem von beträchtlichen Finanzhilfen seitens bilateraler und internationaler Geldgeber. Vor diesem Hintergrund möchte ich bosnisch-herzegowinische Unternehmen ermutigen sich in Richtung Deutschland zu engagieren. Als starker Partner der deutsch-bosnisch-herzegowinischen Wirtschaft stehen wir gerne beratend und aktiv zur Seite. Ich sehe allerdings auch Herausforderungen für das Wirtschaftspotenzial Bosnien-Herzegowinas z.B. in der häufigen Überschneidung der Kompetenzen in der Verwaltung und Justiz. Wenn wir als AHK deutschen Unternehmen begegnen und das Land als potenziellen Invesitionsstandort vorstellen möchten, können die verwirrenden Zuständigkeiten und Regularien auf den verschiedenen Ebenen zwischen Entitäten, Kantonen und Gemeinden bezüglich Genehmigungen und Konzessionen abschreckend wirken. Zudem sind intransparente öffentliche Vergabeverfahren, Korruption, mangelnde politische und soziale Stabilität und Rechtssicherheit problematische Themen, die Laut unseren Umfragen immer wieder deutsche Unternehmen in Bosnien und Herzegowina beschäftigen. Ich möchte unbedingt betonen, dass es trotz der angesprochenen Herausforderungen einige tolle deutsche Erfolgsgeschichten in Bosnien-Herzegowina gibt. Laut unserer AHK-Konjunkturumfrage 2018 betrachten zwar lediglich 5% der deutschen Unternehmen die Wirtschaftslage im Land als gut; 78% würden jedoch erneut in Bosnien-Herzegowina investieren. Darauf müssen und werden wir aufbauen!

Eine Reihe von Projekten wird von der AHK in Bosnien-Herzegowina umgesetzt und einige davon sind Auszeichnungen für Innovation und berufliche Bildung. Wie viele bh. Unternehmen sindbereit in Innovation und berufliche Bildung zu investieren?

Wir haben Best Practices in der Lernortkooperation zwischen beruflichen Schulen und Unternehmen ausgezeichnet, also wo Schüler einen Teil des praktischen Unterrichts im Unternehmen verbringen. Wir waren über die große Anzahl von 31 Bewerbungen aus ganz BiH überrascht, d.h. die Unternehmen sind zunehmend bereit in berufliche Bildung zu investieren, um ihre eigenen Fachkräfte zu sichern. Die Delegation der Deutschen Wirtschaft bietet deutschen und lokalen Firmen in BiH ihr Know how als Service an, um passgenaue Mitarbeiter aus- aber auch weiterzubilden. Denn nur so kann die Wirtschaft in BiH wachsen und für die Zukunft gerüstet sein. Der Staat allein wird die Probleme nicht lösen können. Die Unternehmen müssen, so wie in Deutschland auch, selbst bereit sein in die Qualifikation ihrer Mitarbeiter zu investieren, denn nur so sind sie an Qualität und Nachhaltigkeit ihres Personals wirklich interessiert. Die Zahl dieser Unternehmen steigt.

Wie viele Mitglieder sind derzeit Mitglieder des Wirtschaftsvereins BiH, was bietet er seinen Mitgliedern an?

Über den Wirtschaftsverein BiH, arbeiten wir sehr eng mit Unternehmen zusammen, die mit den Rahmenbedingungen in Bosnien und Herzegowina täglich in der Praxis arbeiten. Der Verein konnte in den vergangenen Jahren von 30 auf über 150 Mitglieder wachsen. Dies verleiht uns Gehör bei Behörden und der Regierung, wenn wir die Ergebnisse unserer Wirtschaftsumfragen und Fachkommissionen sowie Sorgen und Probleme der Mitglieder an diese herantragen. Herzstück des Wirtschaftsvereins ist jedoch das deutsch-bosnisch-herzegowinische Netzwerk. Die Mitgliedschaft verschafft den Unternehmen Zugang zu einer auf die bilateralen Wirtschaftsbeziehungen zwischen Deutschland und Bosnien und Herzegowina spezialisierten Plattform. Die von uns organisierten Veranstaltungen bieten die Möglichkeit das Netzwerk um Kunden, Partner und wichtige Vertreter aus Politik und Wirtschaft zu erweitern. Die Sichtbarkeit der Unternehmen kann durch unsere Weiterempfehlung in Deutschland und Bosnien-Herzegowina enorm gesteigert werden. Ich kann Unternehmen beider Länder nur ans Herz legen, sich uns anzuschliessen.

Vor uns liegt ein weiteres Jahr, das AHK einsetzen wird, was sind Ihre Pläne, was wird der Fokus sein?

Bei der Delegation der Deutschen Wirtschaft in Bosnien-Herzegowina ist in der Vergangenheit ausgezeichnete Arbeit geleistet worden und ich freue mich sehr, hier an viele interessante Punkte anknüpfen zu können. Ich merke, dass die Delegation mit einem eingespielten Team besetzt ist, auf das ich mich absolut verlassen kann. In meiner Zeit bei der AHK in der Tschechischen Republik, ein Land das in den vergangenen Jahren einen beeindruckenden wirtschaftlichen Boom erlebt hat, habe ich viele Unternehmen beim Auf- und Ausbau ihrer Auslandsgeschäfte in einem dynamischen Umfeld begleiten können. Aus meinen Erfahrungen kann ich sicherlich einige Anregungen für mein neues Aufgabenfeld mitbringen. Das Herz der Wirtschaft sind die Unternehmer und ich habe mir für die ersten Wochen vorgenommen, so viele wie möglich davon persönlich kennenzulernen. Vor Ort möchte ich mir deutsch-bosnisch-herzegowinische Erfolgsgeschichten, aber auch Sorgen und Probleme sehr genau anhören um für meine zukünftige Arbeit den größtmöglichen Input mitzunehmen. Begeistert haben mich in Bosnien-Herzegowina die vielen jungen Menschen, die mit frischen, innovativen Ideen und Lösungsansätzen erfolgreich sein wollen und mit einer enormen Energie und Leistungsbereitschaft punkten können. Ein Beispiel wäre hier der IT-Sektor. Wir arbeiten derzeit an Konzepten, diesen dynamischen Firmen, ob sie nun als Start-up oder in anderem Rahmen organisiert sind, im Jahr 2019 eine attraktive Plattform anzubieten.

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