Konjunkturumfrage 2017: Unternehmen sehen sich für die Zukunft gerüstet – Exportstärke bleibt ein wichtiger Schlüssel

03.04.17

In der diesjährigen Konjunkturumfrage der AHK BiH, die unter Mitgliedern des Wirtschaftsvereins BiH und anderen Investoren durchgeführt wird, wurde die gegenwärtige Wirtschaftslage im Land als schlecht eingestuft. Lediglich 39% der Unternehmen stufen die Lage als gut oder zumindest befriedigend ein. Auch beim Blick in die Zukunft zeigen sich die Unternehmen verhalten. Hier erwarten 81%, dass die Situation unverändert bleibt bzw. sich sogar verschlechtert.

Bei einer branchenbezogenen Betrachtungsweise sieht die Stimmung positiver aus. Hier stufen 78% die gegenwärtige Lage in ihrer Brache als gut oder befriedigend ein. Bei den branchenbezogenen Erwartungen für die Zukunft ergibt sich ein ähnliches Bild. Jedes zweite Unternehmen erwartet für den Jahresverlauf eine bessere Entwicklung als im Vorjahr. 43% rechnen mit einer unveränderten Entiwcklung und nur 7% mit einer Verschlechterung.

Die gegenwärtige Geschäftslage im eigenen Unternehmen beurteilen 49% der Befragten als gut und 49% als befriedigend. Im Vergleich zu den Vorjahren eine erneute Steigerung. Dies unterstreicht auch nochmals, dass die Unternehmen in Bosnien-Herzegowina sich mittlerweile ihrer Wettbewerbsfähigkeit bewusst sind und sich auf dem richtigen Weg wissen.

Auch in Bezug auf die Entwicklung zeigt sich eine positive Tendenz. 72% der Unternehmen rechnen mit einer positiven Entwicklung, 28% gehen von einem unveränderten Geschäftsverlauf aus. Erstmals rechnet kein Unternehmen mit einer schlechteren Entwicklung der eigenen Geschäftslage.

Mit der Erwartung der Geschäftsentwicklung korrespondieren auch die Erwartungen im Hinblick auf den Umsatz. Keines der befragten Unternehmen rechnet mit einem Umsatzrückgang. 71 Prozent erwarten steigende Umsätze und 29% mit dem Vorjahr vergleichbare Umsätze.

Die starken Perspektiven auf Unternehmensebene lässt auch auf weitere Chancen im Export hoffen. Für die Unternehmen bleibt das Exportgeschäft ein Schlüsselfaktor. Mittlerweile rechnet über die Hälfte der Unternehmen (56%) mit steigenden Exportumsätzen, während 44% mit gleichbleibenden Exportumsätzen rechnen. 2017 ist somit das zweite Jahr infolge, in dem kein Unternehmen sinkende Exportumsätze erwartet. In diesem Zusammenhang ist es umso wichtiger zu erwähnen, dass 82% der Unternehmen die Erschließung des deutschen Marktes als wichtig oder gar sehr wichtig erachten.

Damit unterstreichen die Angaben der Unternehmen die erst kürzlich von uns veröffentlichte Handelsstatistik zwischen Deutschland und Bosnien-Herzegowina: Deutschland ist nicht nur wichtigster Handelspartner Bosnien-Herzegowinas, der Handel hat auch noch um über 3% zugelegt. Insbesondere die Exporte von hier nach Deutschland ziehen weiter an.

Wie auch im Jahr davor spiegelt sich in diesem Jahr die positive Einschätzung auch in der Entwicklung der Mitarbeiterzahlen wider. Neueinstellungen planen 53% der befragten Unternehmen und damit im dritten Jahr infolge über die Hälfte. Zusammen genommen rechnen 99% der befragten Unternehmen mit steigenden oder gleichbleibenden Mitarbeiterzahlen. 

Ein wichtiger Maßstab für die Stimmung in der Wirtschaft, aber auch für die gegebenen Rahmenbedingungen sind Investitionsausgaben. Hier wurde – leider – ein seit 2012 bestehender Trend gebrochen. Denn das erste Mal seit vier Jahren müssen wir hier einen Rückgang verzeichnen. Dennoch, 90% planen Erweiterungsinvestitionen. Unter dem Strich also ein positives Signal.

Ein etwas differenziertes Bild zeigt sich allerdings bei der Frage in welchem Maße der lokale Arbeitsmarkt den Bedarf an Fachkräften in den Unternehmen decken kann. Nur 22% der Unternehmen, also nicht einmal jedes Vierte, ist der Meinung, dass der lokale Arbeitsmarkt den eigenen Fachkräftebedarf ausreichend decken kann. In Anbetracht der weiter voranschreitenden Abwanderung, insbesondere junger Leute, wird sich dieses Problem für BiH massiv verschärfen. Auf der anderen Seite sagen aber 51% der Unternehmen, dass das Bildungssystem Ihre Anforderungen zumindest teilweise decken kann. Daraus lässt sich schließen, dass durch gezielte Reformen großes Verbesserungspotenzial besteht.

Den EU-Annäherungsprozess halten 97% der Unternehmen für wichtig oder sehr wichtig. Dies zeigt, dass Unternehmen sich vom Fortgang des Annäherungsprozesses offensichtlich einen besseren Marktzugang und eine Verbesserung der Standortfaktoren versprechen, insbesondere politischer Stabilität.

Die befragten Unternehmen zeigten sich unzufrieden mit den folgenden Faktoren:

  • Bekämpfung von Korruption und Kriminalität (1.),
  • politische und soziale Stabilität (2.),
  • öffentliche Verwaltung (3.),
  • Rechtssicherheit (4.),
  • Steuersystem und -behörden (5.)
  • sowie die Berechenbarkeit der Wirtschaftspolitik (6.) genannt.

Insbesondere auf die politische Unsicherheit machten die Unternehmen nochmals explizit aufmerksam.

Am zufriedensten zeigten sich die Unternehmen mit

  • der Produktivität und Leistungsbereitschaft,
  • der Qualifikation der Mitarbeiter
  • sowie mit dem Grad der akademischen Ausbildung,
  • der Perspektive auf eine EU Mitgliedschaft
  • und der Qualität und Verfügbarkeit lokaler Zulieferer.

Letzt genannte ist auch ein wichtiger Grund dafür, dass immer mehr deutsche Unternehmen ihre Sourcing-Aktivitäten aus Fernost nach Südosteuropa verlagern.

Darüber hinaus wird explizit die geografische Lage als Standortvorteil genannt.

Auf die Frage, ob sie BiH wieder als Investitionsstandort wählen würden, antworteten 73 Prozent der befragten Unternehmen mit „JA“, woraus wir schließen können, dass BiH trotz aller Marktherausforderungen, ein attraktiver Investitionsstandort ist. Allerdings müssen wir hier auch anmerken, dass es der schlechteste Wert seit drei Jahren ist. 2015 lagen wir hier noch bei 86%.

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